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「不平等条約」でスタートした ペーター・パンツァー メッテルニッヒの時代、進取の気性と批判力に富んだあるオーストリア人が「オーストリアは王立印刷所が伝える漢字とお茶の国としての中国、日本の姿だけでなく、もっと別の深い関係に入れれば良いのだが…」と声高にいったものでした。それから時を経て1868年10月21日の『ノイエ・フライエ・プレッセ』新聞紙上の記事はこの言葉を思い起こさせるものでした。この日、2隻のオーストリア・ハンガリー帝国の軍艦、「ドナウ号」と「フリードリッヒ大公号」がトリエステ港から日本を目指して帆を上げ、大海原へと出て行きました。それはオーストリア・ハンガリー帝国の船がこれまで舵を向けた事のない目的地へ、だったのでした。
Zwischen Nagasaki und Triest Peter Pantzer „Gebe Gott, daß Österreich zu Japan und China endlich in andere Beziehungen trete als durch den Tee und die chinesischen Typen der k.u.k. Hof- und Staatsdruckerei“. So hatte ein unternehmender und kritischer Österreicher aus dem Vormärz ausgerufen. Und an diese Worte erinnert auch ein Artikel am 21. Oktober 1868 in der „Neuen Freien Presse“, als zwei österreichische Schiffe, die „Donau“ und der „Erzherzog Friedrich“, ihre Gaffel-, dann Klüversegel setzten und vom Hafen von Triest aus in See stachen. Mit dem Ziel Japan. Einem Ziel, das bis dahin kein österreichisches Schiff angesteuert hatte. Ostasien war zu einem Zauberwort geworden, dem sich auch Österreich nicht verschließen konnte. Es begann mit der Öffnung Chinas und Japans durch englische und amerikanische Flotten und erreichte seinen Höhepunkt mit dem Bau des Suezkanals. Auch Österreich, mit seinen an der Adria gelegenen Gebieten, hoffte, jetzt über einen schnellen und billigen Transportweg bedeutende Absatzmärkte für die heimischen Produkte zu erschließen. Die Expedition, die Österreich unter dem Kommando von Konteradmiral Anton Freiherr von Petz, Tegetthoffs Mitstreiter bei Lissa, losschickte, um in Ostasien seine Interessen zu wahren, brauchte sich dann auch nicht zu beklagen, in der Heimat zu wenig Widerhall gefunden zu haben. Unter den zahlreichen Bewerbern aus Zis- wie Transleithanien, die das Vorhaben der Reise in Bann zog, war auch eine Köchin, die in das „weibliche Schiffsdienst-Personale“ aufgenommen zu werden wünschte. Sie würde für das Schiffspersonal kochen, stricken, nähen, die häuslichen Arbeiten sorgfältig verrichten und hilfreiche Krankenpflege leisten. „Sie kann etwas Französisch und hat in ihrem Innersten große Neigung zu Reisen“. Das Ministerium fand sich jedoch trotz aller dieser Vorkenntnisse nicht in der Lage, diesem Gesuch Folge zu leisten, und so glitten, ohne diesen weiblichen Geist, die beiden Schiffe über die Wellen, ihrem Ziel Japan entgegen, wo sie im September des folgenden Jahres, 1869, glücklich einem Taifun entkommen, einliefen. Eine zuvorkommendere Behandlung in Japan brauchten die Österreicher nicht zu wünschen. Das begann mit dem farbenprächtigen Aufmarsch des Gesandten Petz, von japanischer Infanterie und seiner Matrosenblechmusik begleitet; und endete bei dem eigentlichen Zweck der Reise, dem Abschluss eines Handels-, Schifffahrts- und Freundschaftsvertrages. In der Geschichte der österreichischen Außenpolitik steht dieser Vertrag wie ein Kuriosum da. Obwohl Österreich-Ungarn in Japan nicht die meistinteressierte Macht war, erlangte es die bis dahin meisten Vorrechte in Japan. Mit seinen Vorschriften über Fremdengerichtsbarkeit, Exterritorialität aller österreichischen und ungarischen Residenten und äußerst niedrigen Zöllen war es für Österreich-Ungarn das beste, für Japan das schlechteste Vertragswerk. Und da alle anderen Mächte, mit denen Japan einen Vertrag abgeschlossen hatte, auf Grund der Meistbegünstigungsklausel, automatisch die Österreich gewährten Vorteile einheimsen konnten, sich nach Österreich-Ungarn auch keine andere Macht mehr in Japan um einen Vertrag bewarb, war es ergo dieses österreichische Schriftstück, das Japan nichts sehnlicher als vom ersten Augenblick an zu revidieren wünschte. Die Revision dieses Vertrages (in Japan nannte man jene, mit dem Ausland abgeschlossenen Verträge naturgemäß „Ungleiche Verträge“) war dann bis in die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts das Hauptziel aller japanischen Regierungen; überhaupt die Vertragsrevision der beherrschende Faktor in der japanischen Außenpolitik. An Spannung waren diese japanischen Revisionsbestrebungen nicht arm: die japanische Öffentlichkeit drängte ihre Politiker, Hitzköpfe griffen zu Attentaten auf ihre eigenen Minister. Die japanischen Kabinette standen unter dem Zwang, die Vertragsrevision heimzubringen. Und auf der anderen Seite standen voll Skepsis und Vorbehalte die Mächte, die gar zu sehr von der Zweitklassigkeit des japanischen Volkes und seiner Einrichtungen überzeugt waren, Gesetzgebung, schlechthin alles wurde bemängelt und als noch nicht genug den westlichen Idealen angepasst bezeichnet. Ein österreichischer Gesandter in Japan hat dieses Problem recht deutlich am eigenen Leib zu spüren bekommen. Als bei einem Flusseröffnungsfest in einem Stadtteil von Tokyo das Boot des Gesandten Biegeleben, auf dem sich damals die gerade zu Besuch in Japan weilenden Graf und Gräfin Bardi befanden, unter einer Brücke durchfuhr, wurde es von oben mit Steinen beworfen – solchen von Ziegelgröße. Glücklicherweise wurde nur ein Diener leicht verletzt, dafür aber an Bord des Bootes etliche Gegenstände zertrümmert. Ein zehn Kilogramm schweres Exemplar von dieser Gattung Stein sandte der Gesandte, versehen mit einem öffentlichen Protest, dem Außenminister. Ob ein 16jähriger Bursche, den die Polizei bald danach beim Steinwerfen erwischte, der Übeltäter war, konnte nicht ausgeforscht werden. Endlich bequemten sich die Mächte, und in diesem Konzert auch Österreich-Ungarn, Japan eine Revision des Vertrages zuzugestehen. Geschäftsträger Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi, dem sein Posten in Tokyo zu Japan große Liebe erwachen ließ, bemerkte dazu in einem Bericht an den Ballhausplatz, „dass damit ein unhaltbarer zustand seinem Ende entgegengegangen war, nämlich die Geltung ebensovieler Landesrechte als Nationen vertreten waren … Die japanische Beamtenehre könnte jedem Lande als Muster dienen, während der Fleiß, die Strebsamkeit der Beamten und Studierenden genügend Garantien dafür bieten, dass die Ignoranz hier nicht mehr Schaden stiften wird als anderswo. Ein Insistieren auf den Fortbestand der Konsularjurisdiktion in einem Lande, das derartige Fortschritte im Geiste der abendländischen Zivilisation aufzuweisen hat, wäre eine unnütze Demütigung dieses Landes durch Nichtanerkennung seiner Fortschritte gewesen“. Unmusikalisch war Vater Coudenhove nicht, denn bei der ersten Opernaufführung, die je in Japan stattfand – es stand Gounods „Margarethe“ auf dem Programm -, sang er die Partie des Faust. Überhaupt war das mit der Musik so eine Sache. Ein forscher österreichischer Baron, den das Schicksal 1867 nach Japan verschlagen hatte, wo er dann zwanzig Jahre als Fotograf und Unternehmer lebte, fand in der japanischen Musik einiges Analoge mit dem Wiener Walzer; beides gehe nämlich in die Beine, das eine zum Tanzen, das andere zum Davonlaufen. Natürlich war dies nur als ein Bonmot gemeint. Um jedenfalls die ausländischen Diplomaten bei den ohnedies so zähen Vertragsrevisionsverhandlungen in Tokyo am Verhandlungstisch und bei Stimmung zu halten, entdeckte Japan sehr früh seine Liebe zur österreichischen Musik. Der japanische Gesandte in Wien, Graf Toda, bemühte sich vergeblich, Johann Strauß, den Walzerkönig, als Lehrer nach Japan zu gewinnen. Die Pläne zerschlugen sich. Aber man blieb bei Österreich. Die japanische Regierung holte sich Rudolf Dittrich, Schüler von Hellmesberger und von Bruckner, als künstlerischen Leiter der staatlichen Musikhochschule nach Tokyo. In sechs Jahren Tätigkeit konnte er eine Reihe begabter Schüler ausbilden und in Japan die Grundlage für die Pflege westlicher Musik schaffen. Musik, sie wurde zu Österreichs tüchtigstem Botschafter in Japan. Weniger musikalisch, doch deshalb nicht weniger harmonisch, gedieh der Handel zwischen Österreich und Japan. Die ersten Kontakte mit der einheimischen Kaufmannschaft, sie mit den Erzeugnissen der österreichischen Industrie bekanntzumachen, wurden auf einer im Oktober 1869 in Yokohama abgehaltenen Warenmusterausstellung aufgenommen. Gezeigt wurde damals, was gut und (auch heute noch) von illustrem Namen war, wie Teppiche von Haas & Söhne, Thonet-Möbel, Gummiwaren von Reithofer, Wertheim-Kassen; Schwechater Bier, Glaswaren von Lobmeyer, und natürlich Weine. Es dauert nicht lange, bis dann die ersten Industrieprodukte umgekehrt, von Japan nach Österreich gelangten. Heute schmückt alles, was in Japan in der Industrie einen Namen hat, auch den österreichischen Markt. Um aber bei der Geschichte zu bleiben. Das erste fruchtbare Ereignis der jungen Beziehungen Japans mit Österreich bildete der Entschluss der japanischen Regierung, an der Wiener Weltausstellung 1873 teilzunehmen; zum erstenmal mitzumachen am Messen der Länder aller Welt in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Es bestand sogar die Absicht unter den fortschrittlichsten japanischen Politikern, den Tenno zu einer Reise nach Wien zu bewegen; wegen der möglichen Folgen eines so unerhörten Ereignisses in der Geschichte des japanischen Kaiserhauses wurde letztlich davon Abstand genommen. Die Zahl der nach Wien gesandten japanischen Ausstellungskommission, die unter der Leitung des ersten japanischen Gesandten in Österreich, Sano Tsunetami, stand, erreichte beinahe 80 Mitglieder. Die Kommission besorgte auch das Aufstellen der eigenen Gebäude und hatte vor allem die Aufgabe, Augen und Ohren offenzuhalten; zu lernen, wo es zu lernen galt, und sich mit den europäischen Errungenschaften vertraut zu machen. Über Mangel an Besuchern, Bewunderung und Kauflust konnte Japan sich in Wien nicht beklagen. Japan Erzeugnisse, vor allem aus dem Kunstgewerbe, fanden reichen Absatz und konnten Preise und Medaillen gewinnen. Japans Aussteller kehrten aus Österreich mit gestärktem Rücken in ihre Heimat zurück, mit wertvollen Impulsen und Erfahrungen und neuen Ideen für die eigene Industrie und Wirtschaft. Alle japanischen Autoren weisen auf die Bedeutung dieser Weltausstellung für Japan hin, und so wurden hier in Wien Markstein und Anfang gesetzt zu dem atemberaubenden Fortschritt Japans. Mehr als österreichische Industrieprodukte fand eine andere österreichische Spezialität in Japan eine begeisterte Anhängerschaft: der Schilauf. Durch Hannes Schneider in der Zwischenkriegszeit populär geworden, wurde durch Toni Sailer die Hingabe an diesen Sport noch größer; so blicken der japanische Fremdenverkehr und die österreichische Wintersportartikelindustrie mit Befriedigung auf die heute rund zehn Millionen Schiliebhaber in Japan. Der Wintersport wurde zu einem lebendigen Bindeglied zwischen Österreich und Japan. Daß der Schilauf in Japan von einem Österreicher, einem Major der k.u.k. Armee eingeführt wurde, weiß – so unbekannt es in Österreich sein mag – in Japan jedes Kind. Diesem Österreicher zu Ehren aufgestellte Denkmäler in Japan geben davon beredte Kunde. Sport ist bekanntlich nicht nur die, wie es heißt, wichtigste Nebensache dieser Welt, sondern auch ein eminenter Wirtschaftsfaktor. Damit sei hier noch einmal an ein historisches Ereignis angeknüpft. Zum Ausbau der Handelsbeziehungen bis in den fernen Osten hatte die vielseitige österreichische Kaufmannschaft auf der Wiener Weltausstellung ein „Comité für den Orient und Ostasien“ gegründet. Dieses Komitee residierte dort in einem eigenen, „Cercle Oriental“ genannten Gebäude, um stilgerecht persönliche Kontakte mit Vertretern der östlich von Suez gelegenen Ländern anzuknüpfen. Übers Jahr konstituierte sich dieses Orient- und Ostasienkomitee offiziell als „Orientalische Gesellschaft für Handel und Volkswirtschaft“ und gründete ein „Orientalisches Museum“, um die wirtschaftlichen Beziehungen mit Asien weiter zu bewegen. Das Museum sollte den heimischen Export durch Erteilung kommerzieller Auskünfte fördern und kommerzielle sowie orientalisch-kunstgewerbliche Sammlungen anlegen. Der österreichischen Kaufmannschaft war damit Möglichkeit geboten, sich jederzeit über den Stand der Industrie vom Nahen bis zum Fernen Osten das rechte Bild zu machen. Während der Weltausstellung lag im „Cercle Oriental“ ein prächtiges Gedenkbuch auf, in das sich Honoratioren aus dem In- und Ausland eintrugen, allen voran der Kaiser. Am 30. Juni 1873 schrieb der japanische Gesandte in dem Album seinen Namen nieder. Heute liegt dieses bedeutungsvolle historische Zeugnis, gleichsam ein erstes Sprungbrett des österreichischen Handels in den Fernen Osten, in der Wirtschaftkammer Österreich in Wien, Abteilung Handelspolitik und Außenhandel. Hier wird Geschichte zur Gegenwart. Symbolhaft werden in diesem Gästebuch die Ansätze des 19. Jahrhunderts lebendig, mutig und couragiert begonnen; fortgeführt mit wechselndem Geschick, wie es der Gang der Monarchie und dann der Republik mit sich brachte; heute in den Händen der gesetzlichen Vertretung des heimischen Handels, den zeitgemäßen und modernen Erben, die auf dem Gebiet des Handelsverkehrs zwischen Tokyo und Wien, zwischen Japan und Österreich, ihr Teil dazu beitragen zu dem für eine friedliche Welt so wichtigen prosperierenden Wirtschaftsleben. In all dem wird uns bewusst, wie bunt und vielfältig, wie intensiv und fruchtbar auf allen Gebieten, wirtschaftlichen, diplomatischen und kulturellen gleichermaßen, die Beziehungen zwischen dem Land im Herzen Europas und jenem im Fernen Osten waren und dies auch heute sind. |
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